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Viele chinesische Sprichwörter haben nichts Tröstliches an sich, sondern etwas Unnachgiebiges. Sie sprechen nicht von Motivation oder Selbstoptimierung, sondern davon, dass Verantwortung immer im gegenwärtigen Moment beginnt. Eines von ihnen lässt sich sinngemäß so übersetzen: Wenn du eine gute Zukunft willst, dann kümmere dich um die Gegenwart.
Das klingt beiläufig, fast harmlos, und genau deshalb wird dieser Gedanke beim Thema Zucker so zuverlässig übergangen. Denn wenn Menschen sagen, „zuckerfrei leben klingt gut, aber das ist leichter gesagt als getan“, dann ist das selten eine Aussage über Ernährung. Es ist eine Haltung gegenüber Veränderung.
Zuckerverzicht wird dabei in eine Zukunft verschoben, die bequemer erscheint als der jetzige Moment. In eine Zeit, in der der Alltag angeblich weniger fordernd sein wird, in der man mehr Disziplin, mehr Ruhe oder einfach eine bessere Version von sich selbst zur Verfügung hat. Diese Zukunft dient als Aufschubraum, in dem man Veränderung parken kann, ohne sie tatsächlich angehen zu müssen.
Das Problem ist nur: Zucker existiert nicht in dieser Zukunft. Er wirkt nicht irgendwann, sondern immer dort, wo der Alltag anstrengend wird. Im Griff zur Süße am Nachmittag, wenn die Energie fehlt. Im automatischen Nachtisch, der weniger Entscheidung als Gewohnheit ist. In dem stillen inneren Rechtfertigungssatz, dass man sich das jetzt verdient habe, weil der Tag lang war und die eigene Aufmerksamkeit erschöpft ist.
Zuckerfrei zu essen scheitert deshalb selten daran, dass Menschen unfähig wären, auf etwas zu verzichten. Es scheitert daran, dass sie versuchen, ein zukünftiges Verhalten zu kontrollieren, statt den gegenwärtigen Moment ernst zu nehmen. Wer sich vornimmt, ab morgen auf Zucker zu verzichten, trägt oft bereits eine ganze Woche im Kopf, inklusive aller Ausnahmen, Rechtfertigungen und Eventualitäten, und ist damit beschäftigt, etwas zu managen, das noch gar nicht passiert ist.
Was dabei vermieden wird, ist der eine Moment, der tatsächlich zählt: der Augenblick, in dem der Impuls entsteht. Denn dieser Moment verlangt Ehrlichkeit, vor allem sich selbst gegenüber. Er macht sichtbar, dass Zucker in vielen Situationen kein Genussmittel ist, sondern ein funktionales Werkzeug, mit dem Müdigkeit, Überforderung oder innere Leere kurzfristig reguliert werden sollen.
Veränderung beginnt nicht dort, wo Vorsätze formuliert werden, sondern dort, wo Ausweichbewegungen enden. Nicht mit der Frage, ob man etwas darf oder nicht, sondern mit der deutlich unbequemeren Frage, was in diesem Moment eigentlich fehlt und warum Zucker die naheliegende Antwort darauf geworden ist.
Zuckerfrei zu leben bedeutet deshalb nicht, besonders stark zu sein oder sich dauerhaft zu beherrschen. Es bedeutet, Verantwortung nicht länger in eine abstrakte Zukunft zu verlagern, sondern sie im eigenen Alltag zu verorten. Vielleicht fühlt sich Zuckerverzicht genau deshalb so schwer an, solange er als Projekt für später gedacht wird, und verliert einen Großteil seiner Macht erst dann, wenn man aufhört, ihm auszuweichen und beginnt, den gegenwärtigen Moment ernst zu nehmen.